Wissenswertes

Wie entsteht eigentlich Seife?

Rein chemisch gesehen ist Seife das Produkt, das entsteht, wenn feste Fette und flüssige Öle mit Natronlauge vermischt werden. Die Reaktion der Fette mit der Lauge heißt Verseifung. Die Seife, die dabei entsteht, hat sowohl wasserlösliche als auch fettlösliche Eigenschaften und ist dadurch perfekt zur Reinigung geeignet. Der fettlösliche Anteil nimmt den Schmutz auf und kann ihn über die wasserlösliche Eigenschaft abspülen. Die verwendeten Fette und Öle, sowie der Anteil an unverseiftem Fett – die sogenannte Überfettung – bestimmen letztendlich die Eigenschaften der jeweiligen Seife.

Von Duschbutter bis Zahnseife – wodurch zeichnen sich verschiedene Seifen aus?

Früher wurde die gute alte Kernseife für alles genommen. Heute haben wir die Qual der Wahl, denn das Angebot an Seifen ist bunt und vielfältig. Neben Duft und Farbe sowie den unterschiedlichen Rezepten geben Zusatzstoffe der jeweiligen Seife ihren typischen Charakter.

Duschbutter ist die ideale Winterseife für trockene Haut. In den Seifenleim werden zusätzlich 20% bis 50% pflegende Fette und Öle gerührt, die einen cremig weichen Schaum erzeugen und die Haut perfekt pflegen. So ist ein Eincremen nach der Dusche nicht mehr nötig.

Haarseifen sind die ökologische Alternative zu Shampoo, denn sie sind sparsam im Gebrauch und frei von chemischen Inhaltsstoffen. Da jedes Haar anders ist, dauert die Suche nach der optimalen Rezeptur manchmal etwas länger.

Hundeseife ist eine milde Seife speziell für Hunde, die auch dem Herrchen oder Frauchen guttut. Umgekehrt ist aber nicht jede Seife auch für die Vierbeiner geeignet.

Klassische Seifen gibt es sowohl ohne Duftstoffe als auch in vielen verschiedenen Düften und Farben. Sie sind rückfettend und reinigen mild. Durch die Verwendung von bestimmten Zusatzstoffen können sie auch in Seifen für spezielle Anwendungen abgeändert werden, wie z. B. die Rasierseife.

Kräuterseifen sehen in ihren verschiedenen beigen und braunen Naturfarben oft unscheinbar aus, jedoch punkten sie durch ihre Inhaltsstoffe. Diesen Seifen werden die wertvollen Essenzen der Kräuter als Mazerate oder Ölauszüge zugefügt.

Milchseifen werden von vielen Personen als sehr pflegend empfunden. Bei der Herstellung wird das Wasser, in dem die Lauge gelöst wird, durch Milch ersetzt. Es wird dabei zwischen tierischer Milch (von Schaf, Ziege, Kuh, Esel, Kamel oder Stute) und Pflanzenmilch (von Mandel, Reis, Hafer oder Soja) unterschieden. Mein Produktangebot umfasst Seifen aus Schaf-, Ziegen- und Kuhmilch sowie vegane Milchseifen aus Mandel-, Reis- und Hafermilch.

Peelingseifen enthalten grobe Partikel, die für den nötigen Peelingeffekt sorgen. Ob Kaffeepulver, Mohnsamen, Luffascheiben, Mandelkern-Olivenstein-Granulat oder grobes Salz – Peelingseifen stimulieren die Zellerneuerung und entfernen alte Hornhautreste, aber auch groben Schmutz. Daher sind sie der Geheimtipp für Handwerker und Hobbygärtner.

Putz- und Fleckenseifen sind nicht rückfettend und enthalten keine pflegenden Inhaltsstoffe, da sie nur zur Reinigung im Haushalt und zur Fleckenbehandlung verwendet werden.

Rasierseifen sind sehr milde Seifen, die die Haut bei der Nassrasur nicht zusätzlich reizen. Sie zeichnen sich durch einen stabilen Schaum aus, der die Haare weich macht und die Klinge gut gleiten lässt.

Salzseifen sind besonders mild und daher bestens als Gesichtsseifen geeignet. Trotz des hohen Salzgehalts sind Salzseifen nicht kratzig. Das Salz speichert Feuchtigkeit in der Haut, ohne zu fetten. In Zeiten von Mikroplastik im Meersalz greife ich lieber zum heimischen Steinsalz, welches dann in großer Menge in den flüssigen Seifenleim gerührt wird.

Soleseifen enthalten das Salz in gelöster Form. Die Laugenflüssigkeit ist eine gesättigte Sole mit 26% gelöstem Salz, welches die Seife härter macht. Dadurch fühlen sich Soleseifen glatt und fest an und werden nicht so schnell verbraucht.

Zahnseife klingt zwar im ersten Moment befremdlich, jedoch schmeckt Zahnseife mit dem richtigen Rezept nicht seifig.

Von Avocadoöl bis Zitronensäure – was bewirken die verschiedenen Inhaltsstoffe in der Seife?

In Klammern steht immer die Bezeichnung nach der internationalen Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe (INCI). Auf jedem Produkt werden die Inhaltsstoffe INCI-konform angegeben.

Avocadoöl (Persea Gratissima Oil) ist ein leichtes Öl, das gut für Haarseifen geeignet ist, da es die Haare pflegt, ohne sie zu beschweren. Es regeneriert geschädigte Haut und Haare.

Arganöl (Argania Spinosa Kernel Oil) aus den Früchten des marokkanischen Arganbaums ist sehr hautpflegend. Durch Vitamin E beugt es der Hautalterung vor und schützt vor freien Radikalen.

Babassuöl (Orbignya Oleifera Seed Oil) ist ein sehr mildes, hochwertiges Öl, das pflegt und in der Seife für Schaum sorgt, ohne auszutrocknen.

Distelöl (Carthamus Tinctorius Oil) ist ein trockenes Basisöl, das sich nicht fettig, sondern leicht anfühlt. In Haarseifen hilft es bei fettigem Haar, ohne es zu beschweren.

Essigsäure (Acetic Acid) sorgt speziell in Haarseifen für viel Schaum. Damit die Essigsäure die Lauge nicht neutralisiert, muss die benötigte Menge an Natronlauge angepasst werden.

Hanföl (Cannabis Sativa Seed Oil) ist entzündungshemmend und zellerneuernd und daher sowohl für trockene als auch reife Haut und Neurodermitis geeignet.

Jojobaöl (Simmondsia Chinensis Seed Oil) ist eigentlich ein Wachs und hat einen hohen Gehalt an unverseifbaren Bestandteilen. Daher kann schon mit einer kleine Einsatzmenge viel Hautpflege erreicht werden. Zudem zieht es gut ein und regeneriert die Haut von innen.

Kakaobutter (Theobroma Cacao Seed Butter) ergibt schon in kleinen Mengen sehr pflegende cremige Seifen.

Kokosöl (Cocos Nucifera Oil) ist ein gängiges Schaumfett, das jedoch in hoher Konzentration als austrocknend empfunden werden kann.

Mandelöl (Prunus Amygdalus Dulcis Oil) ist ein mildes Basisöl, das schon im Altertum als Schönheitsmittel galt.

Olivenöl (Olea Europaea Fruit Oil) wurde schon in der Antike zur Seifenherstellung verwendet. Es ist ein stabiles Basisöl. So werden Olivenölseifen sehr hart und können lange gelagert werden. Da sie fast keinen Schaum bilden, empfiehlt es sich, andere Öle ergänzend zu verwenden.

Rapsöl (Canola Oil) ist ein heimisches Basisöl, das reich an Vitamin E ist und die Haut mit Feuchtigkeit versorgt.

Reiskeimöl (Oryza Sativa Oil) ist ein Schönheitsmittel aus Asien. Es wird, ohne zu fetten, gut von der Haut aufgenommen, ist sehr pflegend und vitaminreich und erzeugt in der Seife einen cremigen Schaum.

Rizinusöl (Ricinus Communis Seed Oil) unterstützt die Schaumwirkung der anderen Fette und Öle und fördert die Kollagenbildung.

Sheabutter (Butyrospermum Parkii Butter) wird aus Sheanüssen gepresst und in Afrika ausgiebig zur täglichen Haut- und Haarpflege genutzt. Aufgrund ihres hohen unverseifbaren Anteils ist die Sheabutter ein wertvolles Fett in der Naturkosmetik. Sie macht die Haut geschmeidig, bewahrt ihre Elastizität und schützt vor dem Austrocknen.

Traubenkernöl (Vitis Vinifera Seed Oil) ist reich an Mineralstoffen und Vitaminen. Es dringt tief in die Hautschichten ein und regeneriert die Haut von innen.

Zitronensäure (Citric Acid) in der Seife verhindert Kalkablagerungen bei hartem Wasser. Um eine Neutralisierung der Lauge durch die Zitronensäure zu verhindern, muss auch hier die benötigte Menge an Natronlauge angepasst werden.

Von Duftstoffen und Allergenen – was gilt es zu beachten?

Düfte natürlichen Ursprungs sind leider nicht automatisch unproblematisch – so können manche auch allergische Reaktionen hervorrufen. Zurzeit gibt es 26 Duftstoffe, die wegen ihres allergieauslösenden Potentials gemäß der EU-Kosmetikverordnung deklariert werden müssen. Diese Duftstoffe kommen sowohl in ätherischen Ölen als auch in synthetischen Seifenparfumölen vor.

Letztendlich braucht eine gute Seife aber weder Duft noch Farbe. Daher umfasst mein Produktangebot auch viele Naturseifen ohne zusätzliche Duftstoffe, sodass auch Personen, die auf bestimmte Stoffe allergisch reagieren, eine passende Seife finden.

Nichtsdestotrotz genießen wir mit allen Sinnen und erfreuen uns an einem frischen Duft oder dem Farbenspiel einer liebevoll gestalteten Seife. Wenn der Seife ein zusätzlicher Duft hinzugefügt werden soll, sind spezielle Seifenparfumöle bei vielen Düften die bessere Wahl, da einige ätherische Öle den Kontakt mit der Natronlauge nicht überleben.

Im Vordergrund steht für mich bei der Zusammenstellung meiner Rezepte immer der verantwortungsvolle Umgang mit der Gesundheit meiner Kunden und Kundinnen. Daher achte ich bei der Duft- und Farbwahl auf die Zulassung durch die EU-Kosmetikverordnung und liste die Inhaltsstoffe meiner Produkte jeweils auf der beiliegenden Papierbanderole auf.

Woher kommt die Farbe der Seife?

Wenn ich die unterschiedlichen Beigetöne der Naturseife farblich verändern möchte, habe ich verschiedene Möglichkeiten: Natürlich erdige Farbtöne werden durch das Färben mit Eisenoxiden erzielt. Die Farbpalette umfasst Töne von Rotbraun bis Grün. Eine weitere Möglichkeit ist das Färben mit Pflanzenfarben. Zwar sind diese oft nicht laugenstabil, jedoch können mit Spinat- oder Paprikapulver, Kurkuma oder Alkannawurzel schöne Naturfarben erzielt werden. Wenn es dann doch einmal richtig bunt sein soll, kann auf Kosmetikpigmente zurückgegriffen werden wie sie in Lippenstiften und Lidschatten Verwendung finden. Schön ist es aber auch, die Seife ungefärbt zu lassen und den Stempel in farbiges oder goldenes Mica zu tauchen, bevor er auf das Seifenstück gedrückt wird.

Von Aloe Vera bis Zucker – welche weiteren Zutaten können in Seife verwendet werden?

Die Liste der möglichen Zutaten ist lang. Die Entscheidung zwischen rein veganen Seifen und solchen, die die Vorzüge tierischer Produkte enthalten, soll jeder selbst treffen. In beiden Fällen gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten:

▪ Aloe Vera
▪ Alpakawolle
▪ Bienenwachs
▪ Blüten
▪ Essig
▪ Honig
▪ Kräuter
▪ Lanolin
▪ Moor
▪ Rügener Heilkreide
▪ Salz
▪ Schwefel
▪ Seide
▪ Tierische Fette
▪ Zitronensäure
▪ Zucker

Ist es hygienisch, wenn viele Personen eine Seife nutzen?

Seife ist nicht pH-neutral, sondern basisch. Deswegen gedeihen auf einer Seife keine Bakterien, selbst wenn viele Personen sie benutzen. Damit sie keimfrei bleibt, ist es wichtig, dass die Seife immer wieder trocknen kann. Liegt sie allerdings in einer Pfütze am Boden der Seifenschale, weicht sie auf und es können sich Bakterien ansiedeln. Daher empfiehlt es sich, eine Seifenablage mit Löchern zu nutzen, sodass die Seife gut trocknen kann.

Müssen die verschiedenen Produkte konserviert werden?

Jedes Kosmetikprodukt, das Wasser enthält, muss konserviert werden, um eine Verkeimung innerhalb weniger Tage zu verhindern. Konservierungsstoffe können jedoch allergische Reaktionen hervorrufen.

Egal ob Shampoo, Duschgel, Flüssigseife, Bodylotion oder Creme – ohne Konservierungsstoffe geht es aufgrund des Wasseranteils bei industriell gefertigten Produkten nicht. Das ist bei meinen Seifen, der festen Körperbutter sowie der festen Handcreme anders. Da diese Produkte kein Wasser enthalten, verkeimen sie nicht und es kann auf die Konservierungsstoffe verzichtet werden.

Meine Badeöle haben aufgrund ihres hohen Anteils an flüssigen Ölen eine weiche Konsistenz, enthalten jedoch ebenfalls kein Wasser, weshalb keine Konservierungsstoffe nötig sind. Dies gilt ebenso für alle meine Produkte, die Sheasahne enthalten, z. B. das cremige Dusch-Peeling und Körperbutter. Für diese wird die Sheabutter aufgeschlagen. Dadurch erhält die Sheasahne eine fluffige Konsistenz, ebenfalls ohne die Zugabe von Wasser.

Was hat es mit dem Mythos von ausgekochten Knochen und Schlachtabfällen auf sich?

Heutzutage steht eine Vielzahl guter Pflanzenöle für die Seifensiederei zur Verfügung. Das sah früher anders aus, denn die Öle waren viel zu kostbar, um sie zu verseifen und Lauge in der reinen kristallinen Form gab es noch nicht zu kaufen. So wurden meist minderwertige Tierfette verseift und die Lauge aus Wasser gewonnen, das durch Asche gefiltert wurde. Das war zwar sehr aufwendig und ungenau, aber letztendlich wurde daraus auch Seife.

Seifenmanufaktur Lucina Hippe

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